Glasformung und Glasveredelung - Glasmacherei (Lehrberuf) - Lehrzeit: 3 Jahre

Andere Bezeichnung(en):
früher: Glasmacherei

Berufsbeschreibung

Glasmacherei ist ein Schwerpunkt im Lehrberuf Glasformung und Glasveredelung. Die Ausbildung dauert 3 Jahre.

Glasmacher*innen (Fachkräfte für Glasformung und Glasveredelung im Schwerpunkt Glasmacherei) stellen Gläser und Glasprodukte (Vasen, Schüsseln, Krüge, Ziergegenstände etc.) aus Glasschmelze her. Ihre Arbeitsbereiche umfassen unter anderem die Glasschmelze, die Schmelzführung, den Läuterbereich und die Entnahme. Beim Handglasmachen verwenden die Glasmacher*innen die sogenannte Glasmacher*innenpfeife, mit der sie ein Stück der erhitzten Glasschmelze aufnehmen und durch Einblasen von Luft und durch Bearbeiten mit verschiedenen Werkzeugen in die gewünschte Form bringen.

Bevor sie mit ihren Arbeiten beginnen, planen, entwerfen und gestalten Glasmacher*innen ihre Glasprodukte entsprechend der Kundenanforderung, nach eigenen Ideen oder nach Designvorgaben oder Trends. Dabei arbeiten sie sowohl händisch als auch unter Anwendung unterschiedlicher innerbetrieblicher  Software ( CAD) oder anderer digitale Tools.

Glasmacher*innen sind in gewerblichen Werkstätten und industriellen Produktionshallen auf Arbeitsbühnen tätig. Sie arbeiten mit Berufskolleg*innen, Vorgesetzten und weiteren Fach- und Hilfskräften der Fertigung zusammen.

Glas ist ein Werkstoff, dessen Grundbestandteile die Natur vor Jahrmillionen in Vulkanen erschaffen hat und dessen Herstellung vor über dreitausend Jahren entdeckt wurde. Hergestellt wird Glas zu über 50 % aus Quarzsand. Im Gemenge (=Gemisch der Glasrohstoffe) sind außerdem noch mineralische Naturstoffe wie  Feldspat, Dolomit, Soda, Kalk, Salpeter u. a. enthalten. Bei einer Temperatur von 1500 Grad Celsius, der Temperatur flüssiger Lava, schmilzt dieses Gemisch zu Glas.

Bevor sie mit ihren Arbeiten beginnen, planen, entwerfen und gestalten Glasmacher*innen ihre Glasprodukte gemäß den Kundenanforderungen, eigenen Ideen oder nach Designvorgaben oder Trends. Für die Planung und Gestaltung verwenden sie unterschiedlicher betrieblicher  Software ( CAD) oder anderer digitale Tools. Zum Teil erstellen sie Skizzen auch händisch. Sie legen die erforderliche Herstellungs- und Bearbeitungstechnik und Arbeitsschritte fest, wählen die benötigten Glasroh- und Hilfsstoffe, Werkzeuge und Maschinen aus und starten die Produktion mit der Glasschmelze. Je nach Glasprodukt werden unterschiedliche Techniken kombiniert, wie z. B. Abfehmen, Wälzen, Aufblasen, Vorstreichen, Bearbeiten mit Löffel, Formen und Formen durch Gießen, Wulgern, Einblasen, Ansetzen an Glasrohling, Festblasen, Eindrücken, Ausschwenken, Ausziehen, Ausschneiden, Schleudern, Entspannen, Kühlen, Abschlagen von der  Glasmacherpfeife

Beim Handglasmachen entnehmen die Glasmacher*innen mit einer Glasmacher*innenpfeife einen Glastropfen bzw. Glasposten aus der zähflüssigen Glasmasse, die in Schmelzöfen aus den Roh- und Hilfsstoffen erzeugt wird. Diesen formen sie durch Drehen, Blasen und Kühlen zur gewünschten Form. Dabei setzen sie auch Werkzeuge aus Metall, Holz oder Grafit ein, z. B. unterschiedliche Scheren, Bretter, Rinnen und Formen (Model). Nach diesen Formgebungsarbeiten tragen sie die fertigen Artikel mit langen Eisengabeln in den Kühlofen oder Kühlbänder ein. Fertige Glasprodukte bei diesem Verfahren sind z. B. Trinkgläser oder Vasen.

Beim Maschinenglasmachen arbeiten Glasmacher*innen für die Glasverschmelzung, die Heißformgebung und Verarbeitung und Veredlung des Glases verstärkt mit technischen Einrichtungen. Dabei bedienen, programmieren und überwachen sie teil- und vollautomatisierte Glasherstellungsmaschinen und -anlagen. Sie führen auch regelmäßig stichprobenartige Kontrollen an den jeweiligen Zwischenprodukten und dem Endprodukt durch und stimmen sich bei Bedarf mit Berufskolleg*innen und Vorgesetzten über Konsequenzen und zu ergreifende Maßnahmen aus den Ergebnissen der Qualitätskontrollen ab.

Die Glasrohlinge (Glasposten oder Glasgrundkörper) sind meist farblos oder milchig und werden in einem weiteren Arbeitsschritt mit einer oder mehreren weiteren, auch andersfarbigen Glasschichten überzogen (= überfangen). Außerdem bearbeiten die Glasmacher*innen Glasrohlinge durch Aufsetzen und Abschneiden von Glasmassen, Formen, Zieher oder Pressen von Stielen, Ausformen oder Pressen von Bodenplatte, um Glasprodukte fertigzustellen. Wenn sie für ihre Arbeit Formen benötigen, bereiten sie auch diese Formen vor, reinigen sie nach der Verwendung und lagern sei für die spätere weitere Verwendung.

Je nach Betriebsgröße nehmen Gläsmacher*innen auch Lieferungen von Glasroh- und Hilfsstoffen an, prüfen die Qualität der gelieferten Materialien, führen erforderlichenfalls Reklamationen aus und lagern die Materialien sachgerecht.

Glasmacher*innen arbeiten mit Glasroh- und Hilfsstoffen und verwenden für ihre Arbeit eine Vielzahl an Handwerkzeugen wie Glasmacher*innenpfeifen, Nabeleisen, Motzklotz, Löffel, Scheren (z. B. Abschneid- und Rundscheren, Patzelscheren), Zwackeisen, Model, Optische und weitere Formwerkzeuge sowie Öfen (Schmelz-, Hilfs- bzw. Kühlöfen), Kühlbänder und Maschinen wie Schmelzwannen mit Einlegemaschinen, Abstehwannen, Arbeitswannen usw.

Glasmacher*innen verwenden verschiedene analoge und digitale Messgeräte (z. B. Glasmessgerät, Glasdickenmesser, optische Spannungsprüfer) zur Messung optischer, thermischer, mechanischer und chemischer Größen (z. B. Maße, Glasdicke, Glasarten, Beschichtungen, Glasspannung), um die Qualität der Erzeugnisse sicherzustellen. Am Computer erstellen und lesen sie Werkzeichnungen und Konstruktionspläne und verwenden dafür betriebliche  Software wie z. B. CAD-Programme.

Glasmacher*innen arbeiten in klein- und mittelbetrieblichen Werkstätten des Glasmacher*innengewerbes oder in Produktionshallen von Industriebetrieben gemeinsam mit Berufskolleg*innen, Vorgesetzten, dem Schmelzpersonal und weiteren Fach- und Hilfskräften der Fertigung zusammen.

Glasmacher*innen haben meist regelmäßige Arbeitszeiten während der üblichen Betriebszeiten ihres Unternehmens. In Industriebetrieben arbeiten sie zum Teil auch im Mehrschichtbetrieb zu sehr frühen oder späten Zeiten.

  • Glasroh- und Hilfsstoffe annahmen, prüfen und lagern
  • Schmelzofen zur Herstellung der Glasschmelze bestücken, einstellen und steuern
  • glühende Glasmasse mit der Glasmacher*innenpfeife oder dem Hefteisen entnehmen und formen
  • Grundform eines Werkstückes mit der Glasmacher*innenpfeife aufblasen
  • Glas mit Formwerkzeugen wie Löffel, Motzklotz usw. formen
  • Glasposten (Glasgrundkörper) mit einer oder mehreren weiteren, auch andersfarbigen Glasschichten überzogen (überfangen)
  • Stiele, Bodenplatten, Henkel und Verzierungen formen und anbringen
  • Feinarbeiten an Gläsern durchführen
  • fertige Produkte prüfen und verpacken
  • Formen, Maschinen und Anlagen pflegen und instandhalten

Beschäftigungsmöglichkeiten für Glasmacher*innen bieten insbesondere:

  • Klein-, Mittelbetriebe des Glasmacher*innengewerbes
  • Glashütten und Studioabteilungen von Glashütten

Der Beruf Glasmacher*in (Fachkräfte für Glasformung und Glasveredelung im Schwerpunkt Glasmacherei) ermöglicht mit entsprechender Berufserfahrung und Weiterbildung beispielsweise die Spezialisierung auf:

  • betriebsspezifische Produkt- und Fachbereiche, z. B. Trinkgläser, Vasen, Lampen/Luster
  • Laborarbeit, Laboruntersuchungen, Technische Chemie
  • Handglasmachen (Glasbläserei), handwerkliche Einzelfertigung
  • Maschinenglasmachen; maschinelle/industrielle Glasmacherei
  • Produktendkontrolle, Qualitätsmanagement
  • Produktentwicklung, Produktdesign

Spezialisierungs- und Aufstiegsmöglichkeiten (Auswahl):

Hier finden Sie ein paar Begriffe, die Ihnen in diesem Beruf und in der Ausbildung immer wieder begegnen werden:

 Entspiegelung Flachglas Glasätzung Kieselglas Nuppen Optisches Glas

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